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»Justiz macht Schule« ist ein Workshop in Zusammenarbeit zwischen der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft und dem Oberlandesgericht für Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. SchülerInnen haben die Möglichkeit, über das österreichische Rechtssystem zu lernen und Gerichtsverhandlungen beizuwohnen, wo sie RichterInnen bei ihrer Arbeit beobachten und Fragen stellen dürfen. Das Programm ist zwar für die 10. bis 12. Schulstufe gedacht, doch für die 3A wurde eine Ausnahme gemacht.

Ein Bericht von Ana Bilic
mit Vor- und Nachwort von Miss. D.

Meine Klasse, die 3A, Mag. Schirmaier-Mignon und Miss D. waren diese Woche zu Besuch im Bezirksgericht Josefstadt. Dort beantwortete Richter Mag. Held unsere Fragen und erzählte uns etwas von seinem Beruf als Richter. Er sagte, dass er für den 7., 8. und 9. Bezirk zuständig sei. Als Schüler vermutet man, dass er viele Mord- und Mafiageschichten kennt, doch so gefährlich ist Wien nicht. Mag. Held hat oft mit Körperverletzung und vor allem mit Diebstählen zu tun, denn das Bezirksgericht ist sowohl für Vergehen auf der Mariahilferstraße, als auch rund um die Gürtellokale zuständig.

Die erste Gerichtsverhandlung begann. Ein Mann zahlte keinen Unterhalt für seine drei Kinder. Er sagte, dass seine Exfrau, die Mutter der Kinder, ihm am Telefon mitgeteilt habe, dass er seine Kinder nicht besuchten dürfte, obwohl er Besuchsrecht hat. Er gab auch zu, dass er in der Lage wäre, einen Teil des Unterhaltes zu bezahlen. Dies tat er aber nicht. So nahm er die Schuld auf sich und der Richter gab ihm dann eine Probezeit von zwei Jahren. Das heißt, wenn der Mann in den nächsten zwei Jahren Unterhalt zahlt, hat er keine Probleme mit dem Gericht mehr.

Dann kam auch schon die zweite Verhandlung, die etwas spannender war, denn es ging um einen jungen Mann, der wegen Körperverletzung angeklagt war. Zuerst erzählte eine Frau, die als Zeugin aussagte, dass der Mann ihren Freund ohne Grund beschimpft, und ihm ins Gesicht geschlagen habe. Die Aussage ihres Freundes, den der Richter danach befragte, stimmte damit überein, doch der Täter war nicht anwesend. Das heißt, dass die Polizei den Angeklagten beim nächsten Mal abholen wird.

Die dritte und letzte Verhandlung verlief ziemlich schnell. Es ging um einen Mann, der aus dem Irak geflüchtet war. Er war wegen Dokumentenfälschung angeklagt. Er hatte Geld und Passfotos in den Irak geschickt, weil er einen neuen Führerschein brauchte, denn sein alter war bereits abgelaufen und somit konnte er sich in Wien keinen österreichischen Führerschein holen. Er wusste aber nicht, dass der neue Führerschein eine billige Kopie war. Schnell merkte der Richter, dass der Mann unschuldig war, weil nicht auszuschließen war, dass der Führerschein im Irak gefälscht worden war. So bekam auch dieser Mann eine Probezeit von zwei Jahren und das Verfahren wurde eingestellt.

Das war einer der coolsten Ausflüge meiner Schulzeit. Ich hoffe, dass viele andere Kinder die Möglichkeit bekommen, eine Gerichtsverhandlung hautnah zu erleben.

Nachwort

Mag. Held beantwortete all unsere neugierigen Fragen mit viel Geduld und Humor. Nach jeder Verhandlung erklärte er uns, wie und warum er seine Entscheidungen getroffen hatte, und wir erkannten schnell, dass Menschenkenntnis und Menschlichkeit ein großer Teil seines Berufs sind. Wir lernten unglaublich viel über den Richterberuf, das Rechtssystem, und was es heißt, strafmündig zu sein. Wir durften auch mit dem gerichtlich beeideten Dolmetscher sprechen, der für die zweite Verhandlung gekommen war, und auch die Bezirksanwältin erzählte uns von ihrer Ausbildung und ihren Aufgaben.
Wenn Sie sich jetzt fragen, warum auf dem Bild niemand auf dem Sessel des Angeklagten Platz genommen hat, dann wahrscheinlich deshalb, weil Mag. Held ausdrücklich gesagt hat, dass wir brav bleiben sollen und dass er niemals auch nur eine oder einen von uns auf diesem Sessel vor ihm sitzen sehen möchte. Und wir haben gefolgt.